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Wenn Männer sich beschenken lassen
Lk 2,25-35; Mt 20,1-16
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Bekommen Sie gerne Geschenke? Können Sie sich beschenken lassen?
Ich nicht. Mir fällt es sehr schwer, mich beschenken zu lassen.
Und ich vermute, es geht vielen Männern ähnlich wie mir.
Gerechter Lohn für harte Arbeit
Mit einer Gruppe Männer habe ich das Gleichnis von den Arbeitern
im Weinberg aus dem Matthäusevangelium gelesen. Da wird von
einem Gutsbesitzer erzählt, der Tagelöhner für die
Arbeit in seinem Weinberg sucht. Mit den Arbeitern, die er früh
am Morgen einstellt, vereinbart er einen Denar als Tageslohn. Ein
Denar war damals die Summe, die eine Familie jeden Tag für
das Lebensnotwendige brauchte. Auch später am Tag findet der
Gutsbesitzer immer wieder Männer, die Arbeit suchen. Die letzten
arbeiten nur noch eine Stunde. Als er den Lohn auszahlt, bekommen
die, die nur eine Stunde gearbeitet haben, einen Denar. Die, die
12 Stunden in der Hitze geschafft haben, erhoffen sich jetzt einen
grösseren Lohn, aber auch sie erhalten den abgemachten Denar.
Wie es weitergeht? Lesen Sie nach bei Matthäus im Kapitel 20.
Wir haben uns 3 Rollen aus dieser Geschichte vorgestellt: ein Arbeiter,
der 12 Stunden gearbeitet hat, einer, der den vollen Lohn für
eine Stunde Arbeit bekommen hat und den Gutsbesitzer. Wir haben
überlegt, wer wir von den dreien am liebsten wären. Es
zog uns ganz stark zu dem, der den ganzen Tag geschuftet hat. Denn
er hat das, was er an Lohn bekommt, wirklich im Schweisse seines
Angesichts verdient. Nur eine Stunde zu arbeiten und dafür
den vollen Tageslohn zu bekommen, uns also quasi schenken zu lassen,
was wir zum Leben brauchen, das machte uns Mühe. Das wollten
wir lieber nicht. Ich vermute, es geht vielen Männern so wie
uns.
Ein Mann begegnet einem Kind
Ich habe in der Bibel einen Mann entdeckt, der sich beschenken lassen
kann. Er heisst Simeon und von ihm erzählt das Lukasevangelium
(Lk 2,25-35). Von ihm heisst es, dass er gerecht und fromm war und
auf die Rettung seines Volkes wartete. Damals gab es das offensichtlich,
dass ein Mann in hohem Ansehen stand, der wartet; von dem keine
besonderen Leistungen und schweisstreibenden Anstrengungen berichtet
werden. Er wartet darauf, dass sich etwas ereignet, das seine Möglichkeiten
und Kräfte übersteigt. Er wartet auf etwas, das er sich
nicht durch Leistungen verdienen kann. Auf etwas, das geschenkt
wird.
Simeon wartet offensichtlich schon sehr lange und die Geschichte
beschreibt ihn dabei als hellwach und sehr aktiv. Sie nennt das:
der Heilige Geist ruht auf ihm. Diese wache Geistkraft lässt
ihn zur rechten Zeit am rechten Ort sein und dem begegnen, worauf
er wartet. Wer oder was ist es? Es ist ein neugeborenes Kind.
Ist das alles, werden Sie vielleicht fragen? Soll das die langerwartete
Rettung sein?
In einem Kind begegne ich mir selbst, begegne der Weise, wie ich
in die Welt eingetreten bin genau wie alle anderen Menschen.
Angewiesen auf Andere, auf ihr Ja zu mir, angewiesen darauf von
ihnen genährt, gefördert und herausgefordert zu werden.
Ich begegne einer wesentlichen Erkenntnis: Ich habe mich nicht selbst
gemacht, keine und keiner hat sich selbst gemacht. Das Leben wird
uns geschenkt. Wer sich beschenken lässt, kann dabei dem Kind
in sich begegnen, dem Kind, das lebt, ohne es sich verdient zu haben.
Ich glaube, dass das nicht nur für Kinder gilt, sondern auch
für Erwachsene, sogar für Männer. Denn das was wir
Wesentlich zum Leben brauchen, können wir uns nicht durch Leistung
verdienen. Vieles von dem, was lebensnotwendig ist, kann ich nicht
herstellen und nicht machen, ich kann nur aktiv darauf warten und
es mir schenken lassen: echte Anerkennung zum Beispiel oder tragfähige
Beziehungen.
Brauche ich Rettung?
Simeon wartet auf die Rettung und erkennt sie in dem Kind, das ihm
begegnet. Wer auf Rettung wartet, spürt, dass es so nicht weitergehen
kann. Dass etwas ganz grundlegend nicht in Ordnung ist; dass sich
etwas ändern muss. Wer auf Rettung wartet, wartet auf die Geburt
von neuen Lebensmöglichkeiten. Wir müssen etwas dafür
tun, wenn wir in unserem Leben etwas ändern wollen. Aber wir
können es letztlich nicht machen. Was wir tun können,
ist uns eingestehen, dass wir sehnsüchtig sind nach mehr Leben,
dass wir mitunter leiden an der Art wie wir leben, dass wir Rettung
brauchen. Wer die Sensucht in sich spürt nach etwas, das sich
nicht machen und verdienen lässt, der ist offen dafür,
sich beschenken zu lassen. Simeon, der Mann in der Bibel, erkennt
in dem neugeborenen Kind das Heil. Die Gegenwart Gottes unter uns
Menschen. Die Verheissung des Lebens in Fülle und die Erfahrung,
dass die Verheissung mir gilt, mir zugesagt ist. Ohne, dass ich
sie verdienen muss, als Geschenk.
Ein Zeichen, dem widersprochen wird
Dieser Simeon spricht merkwürdige Worte über das neugeborene
Kind: Dieser ist dazu bestimmt, dass viele durch ihn zu Fall
kommen und viele aufgerichtet werden, und er wird ein Zeichen sein,
dem widersprochen wird. Was ändert sich in unserem Leben,
wenn wir - und damit meine ich wiederum besonders uns Männer
- unsere Fähigkeit uns beschenken zu lassen genauso stark entwickeln
wie unsere Leistungsfähigkeit? Wenn wir uns Zeit und Raum nehmen,
Kindern zu begegnen auch dem Kind, dem kleinen Jungen in
uns? Wenn wir Beziehungen wach und aktiv leben und unsere Sehnsucht
darauf ausrichten, dass uns mehr Leben, das Leben in Fülle
verheissen ist?. Wenn wir uns diese Veränderung wünschen
und anfangen, die ersten Schritte zu tun, wird unseren Wünschen
widersprochen werden. Ich denke z.B. an einen Mann, der seine Erwerbsarbeit
so weit reduzieren möchte, dass er Zeit für Beziehungen,
Kinder und sich selbst hat. Dagegen wird sich Widerstand erheben,
bei der Arbeit genauso wie im Privaten. Dann wird einiges von dem
zu Fall kommen, was uns bisher als Mann ausgemacht hat. Das wird
auch schmerzhaft sein. Dann werden wir aber auch spüren, wie
sich viel Verbogenes in uns aufrichtet und zum Leben kommt.
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