Catherine Ryan Hyde, Das Wunder der Unschuld, Ullstein 2000

Lassen Sie sich bei diesem Buch bitte nicht aufgrund des ersten Eindrucks vom Lesen abhalten. Ja, der Titel wirkt kitschig, das Umschlagbild erinnert an das Sterntalermärchen und der Text auf dem Buchrücken ("Wie der kleine Trevor die Welt veränderte"), naja...

Wie ein christliches Gleichnis Was mich bewogen hat, das Buch trotzdem zu lesen, war der Satz aus einer Rezension der New York Times Book Review: "Wie ein christliches Gleichnis". Das hat mich interessiert. Die Gleichnisse des Neuen Testamentes gehören für mich zu den wichtigsten Schätzen der christlich-jüdischen Tradition. Die Gleichnisse spielen im Alltag ihrer Zeit, handeln von Bäuerinnen und Bauern, von Fischerinnen und Fischern, vom Hausputz und dem Brotbacken. Sie knüpfen an diese alltäglichen Erfahrungen das Besondere an, das Aussergewöhnliche, Überraschende, das unserem Leben eine ganz neue Wendung geben kann, wenn wir es nur wollen und geschehen lassen. Sie tun dies nicht (jedenfalls die meisten nicht) in Form eines moralischen Appells oder einer Predigt, sondern indem sie eine spannende Geschichte erzählen. Wie würde so ein christliches Gleichnis heute klingen? Diese Frage hat mich interessiert. Deswegen habe ich das Buch gelesen.
Überleg Dir einen Weg, wie Du die Welt verändern könntest "Das Wunder der Unschuld" beginnt in einer Schule. Ein Lehrer gibt seiner Klasse folgende Aufgabe: "Überlegt euch einen Weg, wie ihr die Welt verändern könntet." Der 12jährige Trevor hat die Idee drei Menschen einen Gefallen zu tun und sie zu bitten, ihrerseits drei weiteren Menschen einen Gefallen zu tun. Die Idee nimmt ihren Lauf und ... Wenn Sie manchmal noch an das Gute in den Menschen glauben und manchmal gerne an dieses Gute glauben wollen, dann lesen Sie die Geschichte.
Heilige nach meinem Herzen Sie ist nicht kitschig, sie ist nicht sentimental und rührselig. Sie ist keine glatte, konturlose Heiligenvita. Trevor, seine Mutter und sein Lehrer sind alltägliche Menschen. Ich habe mich über sie aufgeregt. Ich habe mich mit ihnen gelitten und mich mit ihnen gefreut. Ich bin von diesem Buch berührt.