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Der erste ägyptische Grabräuber gewollt nicht aktenkundig geworden |
Schöner, genüsslicher, frecher als Adolf Holl könnte ich die Geschichte dieses Grabräubers eh nicht erzählen, deswegen sei hier ausführlich aus dem Buch "Mystik für Anfänger" zitiert (Seiten 39ff.) und dieses Buch zugleich sehr empfohlen. Holls Buch ist ein Einführungskurs in die Mystik in 14 Lektionen. Dabei soll gelernt und verlernt werden. Verlernt werden soll etwa die Fügsamkeit gegenüber siegreichen Traditionen, das Opferbringen, die Neigung zur Idealisierung der Vergangenheit und die Angst vor Veränderungen. Gelernt werden soll Rücksichtslosigkeit und Unbescheidenheit, das Misstrauen gegenüber letzten Wahrheiten sowie die Pflege der Ketzergesinnung. In diesem Kontext kommt der Grabräuber ins Spiel. |
| Die Geburtsstunde der Ketzerei | Bekanntlich war "der ägyptische Pharao ... nach der damals herrschenden Meinung ein Gott. Entsprechend grosszügig gestaltete sich sein Übergang von der diesseitigen ind die jenseitige Daseinsform, wie an den ägyptischen Pyramiden und sonstigen Königsgräbern ersichtlich ist ... Irgendwann einmal, das darf jedenfalls angenommen werden, hat ein Mensch in Ägypten zum ersten Mal einen streng verpönten Gedanken gedacht, angesichts der prunkvollen Begräbnisbräuche der hohen Herrschaften: Aber das ist doch ein Humbug! Hierbei handelt es sich um einen religionshistorisch überaus wichtigen Augenblick. Die Anfänger sind hiermit eingeladen, diesen Augenblick als die Geburtsstunde der Ketzerei zu betrachten." |
| Spottlust gegen das unverschämt Erdengewaltige | "Man könnte annehmen, dass der erste Pyramidenplünderer aus einem Volksstamm kam, der von den Pharaonen unterworfen und dem ägyptischen Reich einverleibt worden war. Es gibt viele Beispiele dafür, wie zäh sich in derart belästigten Menschengruppen das Misstrauen gegen die jeweils siegreichen Gläubigkeiten gehalten hat, über viele Generationen hinweg, bei nach aussen hin zur Schau getragener Fügsamkeit. So mag unser Erz-Räuber die Spottlust gegen das unverschämt Erdengewaltige schon mit der Muttermilch bekommen haben - was seiner Originalität keineswegs Abbruch tut. Seine erfinderische Leistung bestand darin, den Schritt vom ohnmächtigen Querulieren zur gewinnbringenden Praxis getan zu haben. " |
| Ein toter Gott ist eine ganz gewöhnliche Leiche. | "Ich kann mir seine flinken Augen beim Pyramidenbau vorstellen, seine scheichlerische Gefügsamkeit gegenüber den Fronvögten und Feldwebeln des gewaltigen Unternehmens. Ein anstelliger, hübscher und geschmeidiger Sklave. Vielleicht hat er sich in die nächste Umgebung des Chef-Architekten empogedient, an Türen gelauscht und bei alledem seine Gesundheit geschont. Während andere Fronsklaven wie die Fliegen sterben, fächelt er dem Hof-Konstrukteur unterm Prunkzelt Kühlung zu. Er weiss: Beim Tod des Pharao werden gewaltige Schätze in die Pyramide gebracht, als Jenseitstrost für die göttliche Mumie. Und eines Tages denkt er zum ersten Mal den kühnen Gedanken: Diese Schätze kann man sich holen. Gar keine Angst vor dem Gott in der innersten Kammer? Nein. Es handelt sich um eine ganz gewöhnliche Leiche." |
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Das Gold im Grab einer nützlichen Verwendung zuführen... |
"Später steht er demütig im Spalier, während die Barken der Priester über den Nil kommen, mit der Leiche und den Schätzen. Er lauscht den wochenlangen Gebeten, verbeugt sich im Takt mit den anderen Sklaven. Nach dem Einfügen des Schluss-Steins kehrt er mit seinem Herrn in die Stadt der Lebendigen zurück. Sorgsam bereitet er seine Flucht vor, und eines Nachts verschwindet er aus dem Palast, zurück zu den Seinen am Rand der Wüste. Ob er wohl selbst noch ans Ziel seiner Wünsche gelangt ist? Warum nicht? Wenn er mit 20 den entscheidenden Vorsatz gefasst hat, dann blieben ihm gute 40 Jahre zur Verwirklichung seines Vorhabens - eine gute Gesundheit vorausgesetzt. Als alter Mann steht er schliesslich mit seinen GefährtInnen vor den Schätzen, keuchend und hustend in der staubigen und dumpfen Luft. Im Licht der Fackeln glänzt das Gold. Bravo, meine Damen und Herren! Das Gold wird zweifellos einer nützlichen Verwendung zugeführt werden." |
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