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Don Cupitt, Die Zukunft der Religionen, Klett-Cotta 2001 |
Das Buch des englischen Theologen und Philosophen Don Cuppit ist ein
Rück- und ein Ausblick. Der Rückblick skizziert die Geschichte
der Religionen: noch nie habe ich so prägnant und klar den Zusammenhang
zwischen der Entwicklung von Sozial- und Gesellschaftssystemen und den
dazu passenden religiösen Vorstellungen gelesen. Der Ausblick skizziert
eine Religion nach dem Tod der Götter. Er basiert auf der Erkenntnis,
dass wir Menschen die Götter und die Religionen erschaffen haben,
weil wir sie brauchten. Lange haben wir diesen Zusammenhang nicht durchschaut,
aber heute ist er weitgehend Allgemeingut geworden. Die Bilder von Gott
sind Teil der Sprache, die wir ebenfalls geschaffen haben, um der Welt
einen Sinnzusammenhang zu geben und um uns in ihr zu orientieren. Die
Götter sind Teil der menschlichen Grammatik. |
| Religion ist: Leben als ob es Gott gäbe |
Der spannende Neuansatz beginnt da, wo Cupitt trotz dieser Erkenntnis dafür plädiert an der Religion festzuhalten. Auch wenn sie "nur" eine menschliche Erfindung ist, ist sie doch eine menschliche Erfindung, die Sinn macht. Cupitt plädiert für eine Religion "als ob" es Gott gäbe. Für ein Leben unter der Perspektive Gottes. Für eine "nicht-realistische" Sicht von Gott. Kein Streit mehr, ob es ihn gibt oder nicht, sondern ein selbstbestimmtes Leben als ob. Das Gebet mit einem solchen Gott vergleicht Cupitt mit dem Gespräch, das wir mit Menschen führen, die uns lieb waren und die gestorben sind. Ein solches Gespräch hilft uns, den Lebenden. Im Gespräch mit Toten und mit Gott gibt es kein Gegenüber, aber wir entwickeln durch ein solches Gespräch eine veränderte Beziehung zu uns, im Gespräch mit Gott betrachten wir uns selbst gleichsam mit dem Auge Gottes. Wir kommen in Kontakt mit dem Allgemeinen in uns, wir betrachten uns aus einer grösseren Perspektive. |
| Gott ist freiwillig | Der Glaube an Gott ist für Cupitt eine Wahlmöglichkeit - aber eine gute. Er ist eine wertvolle und interessante Form des Bewusstseins, die es wert ist, bewahrt und kultiviert zu werden. "Gott ist freiwillig." |
| Werkzeugkasten Religion | Cupitt beschreibt schliesslich drei Elemente traditioneller
Religiosität, die seiner Meinung nach für die Zukunft erhaltenswert
sind und benennt sie folgendermassen: das Auge Gottes, die glückselige Leere und das solare Leben Diese drei Elemente bilden den Inhalt seiner Religion als Werkzeugkasten. In ihm finden die Interessierten Werkzeuge für die Gestaltung ihres Lebens. Es geht um Haltungen dem Leben gegenüber, für die man sich entscheidet und die man pflegt und kultiviert. Cupitt spricht dabei auch von Tricks und Techniken. Von den alten Religionen bleibt eine kleine Zahl von Tricks und Techniken zurück, die Möglichkeiten bieten, ein Selbst zu sein und sich zum Ganzen in Beziehung zu setzen, von dem man ein Bestandteil ist. Diese Tricks können uns helfen, das Leben zu lieben und gut zu leben. Das Werkzeug des "Auge Gottes" ist oben bereits kurz skizziert worden. Es bietet die Möglichkeit, sich selbst aus einer grösseren Perspektive zu betrachten, mein eigenes Leben in einen umfassenden Zusamenhang zu stellen. Die Technik der glückseligen Leere dient dazu, sich zu entspannen, das Tempo zu verlangsamen und die Leidenschaften zu dämpfen, um das eigene Selbst gleichsam in den Nihilismus der Sorglosigkeit zu verstreuen. Dadurch gewinnt man Leichtigkeit im Leben und ein unerwartetes Glücksgefühl, das zeitweise von der Furcht vor Tod, Verlust und Leiden erlöst. Das solare Leben schliesslich ist eine Haltung sich zu verströmen,, sich vorbehaltlos in den steten Strom des Daseins zu stürzen, so intensiv zu leben, wie man nur kann und zu brennen ohne sich vor dem Ausgebranntsein zu fürchten. |
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