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Hans-Christian Kirsch, |
"Ich habe keine Lehre, aber ich führe ein Gespräch". Dieser Satz von Martin Buber beschreibt, einen Grossteil meiner Faszination von diesem jüdischen Gelehrten. Lehren und Lernen im Gespräch, in einem offenen Prozess, in dem die Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner sich ernst nehmen und würdigen. So möchte ich auch gerne lehren und lernen. Deswegen soll dieser Satz, den auch Hans-Christian Kirsch in seiner Biografie von Martin Buber ganz zu Beginn zitiert, auch meine Vorstellung dieses Buches einleiten. Gespräch und Dialog machen das Zentrum von Bubers Leben und Werk aus. |
| Biografische Notizen | Martin Buber lebte von 1878 bis 1965. Er wurde in Wien geboren, lebte ab 1916 in Heppenheim in der Nähe von Frankfurt/Main als Lehrer, Übersetzer, Herausgeber, Lektür, von und mit Büchern, emigrierte 1939 nach Israel, wo er eine Professur innehatte.Hans Christian Kirsch zeichnet alle diese Lebensphasen Martin Bubers nach. Ich möchte mich hier auf einen einzigen Einblick beschränken, in denen ich mehr von meiner Faszination erzähle. |
| Die Bibel-Übersetzung | Buber übersetzte gemeinsam mit seinem Freund Franz Rosenzweig die hebräische Bibel ins Deutsche. Als "Die Buber-Übersetzung" kannte ich dieses vierbändige Werk. Ich wusste wenig von der intensiven freundschaftlichen und streitbaren Zusammenarbeit von Buber und Rosenzweig. Kirsch schreibt: "Die Zusammenarbeit der beiden Männer spielt sich gewöhnlich so ab, dass Buber Seiten seiner Textübersetzung an Rosenzweig schickt und Rosenzweig mit Kommentaren, Kritik und Änderungsvorschlägen reagiert. Sofern es Stellen gibt, bei denen grosse Divergenzen bestehen, versuchen sie diese jeden Mittwoch bei Bubers Besuchen in Frankfurt zu klären." (Kirsch Seite 119). Ich kann mir die mittwöchlichen Treffen der beiden richtiggehend vorstellen, wenn sie manchmal um die Bedeutung eines einzelnen Wortes streiten. Ihr Ziel ist es, das Hebräische der hebräischen Bibel auch in der deutschen Übersetzung les- und hörbar zu machen. Die Zusammenarbeit dauert 4 Jahre, bis zum Tod von Franz Rosenzweig 1929. |
| "Ein Mann voller Schmerzen, mit Krankheit vertraut" (Jesaja 52, 3) | Rosenzweig war schwer krank. 1921 wurde bei ihm amytrophe Lateralösklerose diagnostiziert, eine Krankheit, die mit fortschreitender Störung der gesamten Motorik, also auch der Fähigkeit zu sprechen, einhergeht. Die Ärzte geben ihm noch ein Jahr zu leben, er macht 8 Jahre daraus. Ab 1926 kann er nicht mehr sprechen, er beteiligt sich an der Übersetzungsarbeit mittels einer speziell für ihn konstruierten Schreibmaschine. Er stirbt als die Übersetzung beim 53. Kapitel des Buches Jesaja angekommen ist. |
| Leidenschaft kennt keine Pausen | Bubers Leidenschaft für diese Übersetzung dürfte
für seine Umgebung nicht nur angenehm gewesen sein, wie die folgende
Episode, die seine Enkeltochter berichtet, deutlich macht. Ich gestehe aber
wie fasziniert ich bin von dieser leidenschaftlichen Beschäftigung
bin, die keine Pausen kennt, von der Lust auf heftige Diskussionen um einzelne
Worte. "Jeden Sommer wanderten wir, entweder in den Schweizer Alpen oder in den Dolomiten. Hier war Buber ganz bei der Sache. Er studierte die Karten, entschied wo wir Rast machen sollten und gab stets die Richtung an. Aber wenn wir uns dann ausruhten, konnte er nicht dasitzen und die Aussicht bewundern oder sich an dem Proviant freuen, den wir mit uns führten. Er zog dann die Bibelübersetzung aus der einen Tasche und aus der anderen ein Hebräisch-Deutsches Wörterbuch. Dann konnte er inmitten der Pracht der Dolomitenlandschaft mit meiner Grossmutter eine lange Diskussion beginnen, welches Wort als Übersetzung für einen bestimmten Vers angemessen sei." (Kirsch 125) |
| Die Hebräische Bibel |
Ich möchte einige Elemente aufzeigen, die Bubers Verständnis
der Bibel und ihrer "hebräischen Weltsicht" ausmachen.
Die Bibel ist für Buber gesprochenes Wort, dazu bestimmt, vorgelesen
und vorgetragen zu werden. Das muss die Übersetzung zum Ausdruck
bringen. Man muss sie sprechen und hören. Sie ist ein Sprechen. Deswegen
ist auch die Rhythmik der Sprache und Texte von grosser Bedeutung. |
| Den Text von der "Plage der Bekanntheit" erlösen | Erst Simon sieht in Bubers und Rosenzweigs Übersetzung 3 Eigenschaften verwirklicht: das gesprochene Element,das sinnliche Element und die grösstmögliche Erhaltung der hebräischen Sprachform in einer fremden Sprache. Ausserdem sei der Text von der "Plage der Bekanntheit" erlöst (nach Kirsch, S. 125). Gerschom Scholem hat gegenüber jeder Übersetzung - darauf aufmerksam gemacht, dass nichts das Lernen des Hebräischen ersetzen kann, wenn es um den Zugang zur hebräischen Bibel geht. Scholem hat ausserdem vorgeschlagen vor jeder Übersetzung den Urtext auswendig zu lernen, um auch den Ton des Textes zu treffen. Solche Gedanken machen mich demütig bei meinen eigenen Arbeiten an und in der Bibel. |
| Politische Übersetzung | Wie wir gesehen haben, ist auch Bubers Frau Paula an der Übersetzungsarbeit beteiligt. Das macht sie sensibel für die Sprache der Gegenwart. 1937 sitzt ein Gestapobeamter in einem Vortrag Bubers, ist beeindruckt und wünscht ihm zum Schluss: "Bleiben Sie gesund!" Buber erzählt dies seiner Frau, die den Satz folgendermassen übersetzt: "Gott gebe, dass wir Dich nicht totschlagen müssen!" (nach Kirsch 131). |
| Ein Bezug zur Karsamstags-theologie | Ich habe in Martin Bubers Bibelverständnis etwas gefunden, dass mich für mein eigenes Theologietreiben - die Karsamstags-theologie - motivert. Buber versteht die Bibel als "Urkunde der wahren Geschichte der Welt ... in der die Wet einen Ursprung und ein Ziel" hat. Es ist die "Geschichte einer Welt, die zwischen Schöpfung und Erlösung schwingt." (nach Kirsch 115) |
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Möchten Sie mehr wissen: www.buber.de
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