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Tob 8,4-9

Erfahrungen in der Bibliodramawoche in der Propstei Wislikofen (20.-23.6.2011) mit Adam und Eva


Eine ergreifende Szene in der Hochzeitsnacht: "Als Tobias und Sara in der Kammer allein waren, erhob sich Tobias vom Lager und sagte: Steh auf, Schwester, wir wollen beten, damit der Herr Erbarmen mit uns hat. Und er begann zu beten: Sei gepriesen, Gott unserer Väter; gepriesen sei dein heiliger und ruhmreicher Name in alle Ewigkeit. Die Himmel und alle deine Geschöpfe müssen dich preisen. Du hast Adam erschaffen und hast ihm Eva zur Frau gegeben, damit sie ihm hilft und ihn ergänzt. Von ihnen stammen alle Menschen ab. Du sagtest: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist; wir wollen für ihn einen Menschen machen, der ihm hilft und zu ihm passt. Darum, Herr, nehme ich diese meine Schwester auch nicht aus reiner Lust zur Frau, sondern aus wahrer Liebe. Hab Erbarmen mit mir und lass mich gemeinsam mit ihr ein hohes Alter erreichen! Und Sara sagte zusammen mit ihm: Amen. Und beide schliefen die Nacht über miteinander." (Tob 8,4-9)
Das ist eine der wenigen (die einzige?) Stellen im Alten Testament, in denen auf Adam und Eva Bezug genommen wird. Überaus positiv, ohne jeden Beigeschmack von Ursünde etc. Ich habe ein einem früheren Bibliodrama einmal diesen Tobias gespielt und mich in der Hochzeitsnacht genau so gefühlt: Wie Adam am Anfang der Schöpfung.
Heute hat mich das Gebet des jungen Mannes Tobias angesprochen. Er vergleicht sich mit Adam, der eine Hilfe und Ergänzung braucht und sie bekommt. "Hilfe" ist in der Bibel keine Abwertung, sondern eine Gottesbezeichnung. Das ist das eine.
Das andere: ein Mann erkennt, dass er, wie alle Männer seit Adam, Hilfe, ein Gegenüber, eine Ergänzung braucht, um leben, um gut leben zu können. Keiner ohne Andere leben. Jeder ist hilfsbedürftig. Wenn das allen Männern von Anfang an (von Kindheit, von Adam und Eva an) als Lebensweisheit und Lebenweisung vermittelt werden würde, würde uns ein ganz anderes Männerbild prägen und leiten. Ein heilvolleres, ein weniger gewaltanfälliges. Heute herrscht das Männerideal des Mannes, der nichts und niemanden brauchen darf, schon gar keine Hilfe. Dieser Mann wird lieber gewalttätig als unmännlich.