Dieter Bauer, Überlieferungen aus Prophetie, Weisheit und Apokalyptik, NZN bei TVZ 2011, S. 272 und Kohelet 9,1-5

"Der Mensch kann also -laut Kohelet - Gott nicht erkennen. Er weiss eigentlich gar nichts, nicht einmal, ob er nun von Gott geliebt ist oder nicht (das Kain und Abeld-Problem):

Denn ich habe über dies alles nachgedacht und die alles überprüft, wobei sich ergab: Die Gesetzestreuen und Gebildeten mit ihrem Tun stehen unter Gottes Verfügung. Der Mensch erkennt nicht, ob er von Gott geliebt ist oder ob er verschmäht ist. So liegt auch bei ihnen beides offen vor ihnen. Beides - wie bei allen Menschen. Aber ein und dasselbe Geschick trifft den Gesetzestreuen und den Gesetzesbrecher, den Guten, den Reinen und den Unreinen, den Opfernden und den, der nicht opfert. Dem Guten ergeht es wie dem Sünder, dem Schwörenden ebendso wie dem, der den Schwur scheut. Das ist ja das Schlimme an allem, was unter der Sonne getan wurde, dass alle dann ein und dasselbe Geschick trifft und dass in den Menschen überdies die Lust zum Bösen wächst und Verblendung ihren Geist erfasst, während sie leben und danach, wenn sie zu den Toten müssen, ja wer würde da ausgenommen? Für jeden Lebenden gibt es noch Zuversicht. Denn: Ein lebender Hund ist besser als ein toter Löwe. Und: Die Lebenden erkennen, dass sie sterben werden; die Toten aber erkennen überhaupt nichts mehr. (Kohelet 9,1-5)