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Gestaltete Orte im Raum meiner Theologie

Das Bild von gestalteten Ordnung übernehme ich aus meiner Bibliodrama-Praxis. Eine Form bibliodramatischer Arbeit - oftmals als Element von Gottesdiensten verwendet - besteht darin zu den wesentlichen Begriffen eines Textes oder Erkenntnissen eines Gruppenprozesses jeweils einen Ort zu gestalten (mit Tüchern, Symbolen, Ritualen...) und dann diese Ort nacheinander zu besuchen, zu erfahren und miteinander in Verbindung zu bringen. Das möchte ich hier für die Orte meiner Theologie beginnen
(Start 13.2.2010)

Zu keiner Tradition, aus der ich komme, habe ich ein bruchloses Verhältnis. Es gibt keine unschuldige Tradition für mich. Ich betreibe Theologie, die "aufgeschreckt, aufgeweckt und verwirrt" (Georg Traxacher in dem Buch "Von Gott reden im Land der Täter. Theologische Stimmen der dritten Generation seit der Shoah") ist.

Ich kann mich begeistern und überzeugen lassen. Aber ich kann keiner Begeisterung und Überzeugung folgen ohne ein "Ja, aber...".

Meine Theologie ist geprägt von der Erfahrung, dass mitten in der bewohnten Welt das Ende der bewohnbaren Welt aufbricht. Geprägt von der Erinnerung an die Shoah formuliert: Ich versuche Theologie zu treiben in der "Gegenwart verbrennender Kinder" (Elie Wiesel).

Ich treibe subjektiv Theologie: als Mann, weisser Mitteleuropäer, Deutscher, der in der Schweiz lebt, Partner einer feministischen Theologin, Vater, Christ mit katholischer Prägung, Hausbesitzer, mit der Erfahrung depressiver Zeiten...


Theologie ist die Rede von Gott und die kritische Reflexion der Rede von Gott. "Gott" ist keine objektiv gegebene Wahrheit, sondern bleibendes Geheimnis. Die Rede von Gott ist der Wirklichkeit Gott immer unähnlicher als ähnlich. Die Bedeutung des Ausdrucks Gott ist am klarsten profiliert als kritisches Potential gegenüber allen von Menschen gemachten Vorstellungen von Gott (=Götzen). Ehjeh ascher ehjeh - ich bin der ich bin (Ex 3,14) - und nicht der, den ihr euch vorstellt.

Einen Ausdruck gefunden hat diese Verortung in drei Vorträgen in der Stadtkirche Baden 2008 unter dem Titel: "Gegrüsset seist du, Maria, auf der Arche" tEST


Ich verorte mich in der jüdisch-christlichen Tradition und verbinde mich so mit Ahninnen und Ahnen - in Zustimmung und Abgrenzung. Als Christ bin ich der Zweitadressat der biblischen Botschaft. Ich habe ältere Geschwister.

Ich bin eine Stimme in einem grossen Chor von Stimmen. Ich treibe Theologie in einem unendlichen Pluralismus. Die angemessene Form der Begegnung mit Anderen ist das offene Gespräch. Im Gespräch mit Anderen komme ich zu mir. Ich verpflichte mich der Option für die Anderen. Andersheit ist gottgewollt, steht unter Gottes Segen (F.W. Marquard).

Die Bibel ist eine Lernschule für Pluralismus (Ottmar Fuchs).

Meine Form Theologie zu treiben ist das Fragment. Die kleine Form, Gelegenheitsschrift und Gelegenheitswort. Sie begleitet Prozesse und lernt ständig von Anderen.

Theologie ist nicht nur Kritik, sondern auch Zeugnis. Tastend nähere ich mich der Wirklichkeitan Gottes an, die das benennt, was mich unbedingt angeht, höchste Priorität für mich hat und vollkommene Hingabe verlangt. Es geht um Einheit in der Vielfalt. Einheit ist Beziehung, die allen gerecht wird, Beziehung ohne Herrschaft. Damit verbunden ist die Sehnsucht nach Schalom, nach der Erfüllung all der verschiedenen Lebensgeschichten (Rabbinerin Elsa Klapheck), gerade auch der gebrochenen.