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Num 13,25-14,11
Erfahrungen im Bibliodrama
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Der Bibeltext erzählt von der Rückkehr der Kundschafter,
die zur Erkundung des verheissenen Landes ausgeschickt wurden. Sie
berichten Moses:
"Wir kamen in das Land, in das du uns geschickt hast: Es ist
wirklich ein Land, in dem Milch und Honig fließen; das hier
sind seine Früchte. Aber das Volk, das im Land wohnt, ist stark
und die Städte sind befestigt und sehr groß ..."
Einige der Kundschafter setzen falsche Gerüchte in Umlauf:
"Das Land, das wir durchwandert und erkundet haben, ist ein
Land, das seine Bewohner auffrisst; alle Leute, die wir dort gesehen
haben, sind hochgewachsen. Sogar die Riesen haben wir dort gesehen
... Wir kamen uns selbst klein wie Heuschrecken vor und auch ihnen
erschienen wir so."
Das löst beim Volk grosse Ängste und Widerstände
aus: "Wären wir doch in Ägypten oder wenigstens hier
in der Wüste gestorben! Warum nur will uns der Herr in jenes
Land bringen? Etwa damit wir durch das Schwert umkommen und unsere
Frauen und Kinder eine Beute der Feinde werden? Wäre es für
uns nicht besser, nach Ägypten zurückzukehren? Und sie
sagten zueinander: Wir wollen einen neuen Anführer wählen
und nach Ägypten zurückkehren."
Zwei der Kundschafter, Josua und Kaleb, lenken den Blick des Volkes
auf Gott: "Wenn der Herr uns wohlgesinnt ist und uns in dieses
Land bringt, dann schenkt er uns ein Land, in dem Milch und Honig
fließen. Lehnt euch nur nicht gegen den Herrn auf! Habt keine
Angst vor den Leuten in jenem Land; sie werden unsere Beute. Ihr
schützender Schatten ist von ihnen gewichen, denn der Herr
ist mit uns. Habt keine Angst vor ihnen!"
Doch die ganze Gemeinde droht Mose und Aaron zu steinigen. Da erscheint
der Glanz Gottes (bzw. die Herrlichkeit) am Offenbarungszelt allen
Israeliten, und Gott spricht: "Wie lange verachtet mich dieses
Volk noch, wie lange noch wollen sie nicht an mich glauben trotz
all der Zeichen, die ich mitten unter ihnen vollbracht habe?"
Erfahrungen im Bibliodrama
Auf der einen Seite des Raumes liegt Ägypten und meine Sehnsucht
zum Gewohnten, zum ganz gewöhnlichen Unbehagen zurückzukehren.
Ein Ort, an dem zwar längst nicht alles möglich war, was
ich mir vom Leben erträumte - aber das Wenige war wenigstens
vertraut. Damit würde es schon gehen, es war ja immer schon
so gegangen. Auf der anderen Seite liegt das verheissene Land, voller
grosser und starker Menschen, vom Glanz Gottes beleuchtet. Mir wird
klar, dass mich mein Weg mit Gott weiter in dieses Land führt
- wenn ich denn meinem Weg und meinem Gott treu bleiben will. Und
das löst Widerstand in mir aus, Angst. Angst vor dem Land und
seinen Menschen. Ich sehe sie als Riesen und mich als Zwerg. Aus
der Angst wird Gewalt geboren, nach aussen und nach innen. Von Bezwingen
und Beute und Steinigen ist die Rede. So bin ich in der Mitte des
Raumes und in meiner Mitte hin und her gerissen zwischen Minderwertigkeitsgefühlen
und Allmachtsphantasien.
Im Glaubensgespräch nach dem Spiel werden die Erfahrungen
ausgetauscht. Es wird deutlich, dass die geschilderten Erfahrungen
vielen kirchlichen Menschen heute vertraut sind: die Sehnsucht nach
dem, wie es früher war, mit aller Verklärung der Vergangenheit;
die Klarheit mit der wir den Weg sehen, der ins Land der Freiheit
führt; die Hindernisse ins Neue aufzubrechen: das Verstecken
eigener Stärken und die Überforderung, wenn wir glauben,
die Welt ganz alleine retten zu müssen.
In der Mitte des Raumes steht das Zelt der Begegnung und der Offenbarung.
Menschen begegnen Gott und erzählen einander vorsichtig davon.
Sie sind verbunden in der Sehnsucht, dem eigenen Weg und zugleich
Gottes Weg zu trauen und treu zu bleiben. In Beziehung zueinander
kommen sie dem verheissenen Land näher. Sie erkennen die Menschen
dort als Teil von Gottes Verheissung.
Im anschliessenden Glaubensgespräch entdecken wir unsere Verbindung
mit den Menschen, die die Geschichte von den Kundschaftern erzählt,
aufgeschrieben, sich schon vor uns mit ihr auseinandergesetzt haben.
Wir werden zu einer Gemeinschaft von Lebenden und von Toten. Wir
erkennen uns als Kirche auf dem Weg in ein neues Land, in eine neue
Form von Kirche. In der Begegnung mit den Menschen von heute wird
sie Gestalt annehmen. Nur in der Begegnung mit Anderen kommen wir
zu uns, in einer Begegnung auf Augenhöhe, ohne Angst und Gewalt.
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