| Lektüre von Lev 8 |
Der Text beschreibt ein öffentliches Ritual zur Weihe der
Priester für den Dienst am Heiligtum. Alle Elemente sind in
den ersten beiden Versen als Rede Gottes zu Mose zusammengefasst:
"Nimm Aaron und seine Söhne, die Gewänder, das Salböl,
den Stier für das Sündopfer, die beiden Widder und den
Korb mit den ungesäuerten Broten. Dann ruf die ganze Gemeinde
am Eingang des Offenbarungszeltes zusammen." Die Gruppe, die
zum Priesterdienst zugelassen ist, wird gewaschen und bekleidet
und mit Öl gesalbt. Ein Sündopfer (Stier), ein Brandopfer
(Ganzopfer; Widder)) wie sie in den Kapiteln vorher beschrieben
wurden, werden dargebracht. Dazu kommt eine neue Form von Opfer
mit einem Widder und ungesäuerten Broten mit bereits bekannten
und unbekannten Elementen.
Der Kommentator Gerstenberger geht davon aus, dass es sich dabei
nicht um eine Erzählung eines bestimmten, so abgelaufenen Ereignisses
handelt, sondern um eine Textkomposition, die vielleicht zur Verlesung
im Gottesdienst bestimmt war. Denn der Text von Lev 8 bzieht sich
ganz eng - mitunter wortwörtlich - auf den Text von Exodus
29, wo die Einsetzung des Rituals am Berg Sinai beschrieben wird.
Der Text von Lev 8 "soll zeigen, dass der den Zeitgenossen
bekannte Opfergottesdienst im Tempel von Jerusalem am Sinai begründet
wurde und noch immer nach dem selben Muster abläuft" (Gerstenberger
92).
Dann ist unser Text, Lev 8, also jünger als der von Ex 29.
Viel ist geschehen, hat sich verändert, die Welt hat sich weiter
gedreht, Verbindungen zum Früheren sind abgerissen oder doch
zerbrechlich geworden. Das Ritual stellt eine solche Verbindung
wieder her, stärkt sie, spricht von Kontinuität, behauptet
sie vielleicht (nur), fordert dazu heraus, ihr zu trauen.
|