| Lektüre von Lev 5,1-13 |
Wer A sagt, muss nicht B sagen (Bertolt Brecht)
Ich habe eine Zeitlang beim Lesen bzw. Verstehenwollen des Buches
Levitikus pausiert. Es ist mir in seiner Komplexität über
den Kopf/Verstand gewachsen. Eine Reaktion sind kleinere Abschnitte
pro Lektüregang.
Lev 5,1-13 ist eine Art Anhang zur Beschreibung des Sündopfers
in Lev 4. Vier Sonderfälle werden angefügt:
- vernachlässigte Zeugenschaft
- entgangene Verunreinigung durch eine unreine Sache oder Aas
- entgangene Verunreinigung durch menschliche Unnreinheit
- nichterfüllter Schwur
Insbesondere das Opfer bei einem nichterfüllten Schwur ist
interessant. Es stellt eine innerbiblische Alternative zur fatalen
Geschichte von Jiftach und seiner Tochter (Ri 11) dar. Jiftach,
ein Kriegsheld schwört Gott, dass er ihm im Falle eines Sieges
über die Ammoniter das erste , was ihm bei der Heimkehr ausa
der Tür seines Hauses entgegenläuft, als Brandopfer opfert.
Es ist - Schicksal nimm deinen Lauf - seine Tochter. Jiftach zieht
seinen Schwur in dieser Geschichte durch und opfert seine Tochter.
Der Bibeltext von Ri 11 selbst setzt in der Schlusspasage mit dem
Ritual der jährlichen Klage der Töchter Israels einen
kritischenj Gegenakzent gegen dieses Geschehen. Lev 5,4 stellt Jiftach
eine Handlungsalternative entgegen und bricht das schicksalhafte
eines Schwur. Es gibt kein unentrinnbares Schicksal im biblischen
Weltbild. Oder mit Bertolt Brecht. Wer A sagt, muss nicht B sagen,
er kann erkennen, dass A falsch war. Oder in den realistischen,
menschenfreundlichen Worten von Lev 5,4: "oder jemand schwört
unbesonnen, ob zum Schaden oder zum Nutzen, wie eben der Mensch
bisweilen unbesonnen schwört, aber er merkt es gar nicht, doch
dann erfährt er es und wird schuldig durch so etwas."
Eine neue Erfahrung kann das Bewusstsein verändern.
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