| Lektüre von Lev 1 |
Überraschend ist es nicht, dass das Buch mit dem Thema "Opfer"
beginnt.
Überraschend ist auch nicht, dass es als Rede Gottes an Mose
beginnt.
Überraschend ist aber, dass das Interesse am Opfern nicht von
Gott ausgeht. Gott scheint nur auf das Opferbedürfnis von Menschen
zu reagieren: "Wenn jemand von euch dem Herrn ein Opfer darbringen
möchte
" (Lev 1,2).
Gott scheint von sich aus also nicht an Opfern interessiert zu sein,
aber wenn Menschen es sind, dann will er zumindest Weisungen geben,
wie dieses Opfer sinnvollerweise von statten gehen soll.
Überraschend ist ausserdem, dass es nicht die Priester sind,
von denen das Interesse an Opfern ausgeht, sondern "irgendjemand
von euch". Die Priester sind nur ausführende Organe.
Gott reagiert auf das Interesse an Opfern wie ein Lehrer. Er geht
sehr systematisch und logisch vor. Er beginnt mit den Brandopfern,
nennt die möglichen Opfertiere, 3 an der Zahl, und entfaltet
dann diese Möglichkeiten nach und nach. Er geht also das Thema
Opfern in einem logischen und systematischen Schema an.
Dabei legt er Wert auf grosse Detailgenauigkeit: Was für ein
Tier soll geopfert werden? An welchem Ort soll es jeweils geopfert
werden? Wie soll es genau zubereitet werden?
Ein gottgefälliges Opfer ist ein ziemlicher Aufwand. Ist die
Vermutung zu weit hergeholt, dass Gott die Hürden bewusst hoch
setzt, weil er ja eigentlich gar kein Opfer will und braucht?
Interessanterweise verwirklicht sich das eigentliche Ziel des Opfers
- Gott nimmt das Opfer an und vergibt dem Opfernden seine Schuld
- bereits vor dem Schlachten des Opfertieres: Lev 1,4 - wenn der
Opfernde am richtigen Ort seine Hand auf den Kopf des Tieres legt.
Wer braucht das weitere Vorgehen eigentlich?
Die ganze schöne Systematik und Logik der Beschreibung wird
in Lev 1,14 gesprengt, als plötzlich und unerwartet ein viertes
Opfertier, Tauben, zur Sprache kommt. Der vorgesehene Umgang mit
ihnen fordert ziemlich viel von den beteiligten Priestern, eine
gewisse Brutalität (Kopf abreissen) und eine gewisse Geschicklichkeit
(Flügel einreissen, aber nicht abreissen). Wieder werden Hürden
gesetzt, die das Durchführen von Opfern zu einer ziemlich schwierigen
Sache machen. Mit welcher Absicht?
|