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"Der Kult ist für den Menschen da"
Lev 1-10
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Die Opferregeln des Buches Levitikus folgen der Idee der Menschenfreundlichkeit.
Sie dienen der Bewältigung von existentieller Unsicherheit
und der Wiedereingliederung in die Gemeinschaft
Mit dem Titel, der das bekannte Jesus-Wort vom Sabbat, der für
den Menschen da ist, abwandelt und auf den Opferkult bezieht, liest
Thomas Hieke (in Bibel und Kirche 3/2009 s. 141-147) die Kapitel
1-10 des Buches Levitikus und kommt zur Erkenntnis, dass ihnen "die
Idee der Menschenfreundlichkeit innewohnt".
- das beginnt mit Lev 1,2, einer grundlegenden Aussage, die für
die ersten drei Kapitel gilt, der Freiwilligkeit: "wenn ein
Mensch eine Darbringung darbringen möchte...". Freiwillige,
am Bedürfnis der Menschen ansetzende Bestimmungen stehen am
Anfang. Bringen kann das Opfer ausserdem jede Frau und jeder Mann.
- Lev 1 regelt ausserdem, dass der materielle Wert des Opfers sehr
unterschiedlich sein kann (vom Rind bis zur Taube), dass aber auch
das Taubenopfer ein vollwertiges Opfer ist, also ist "der Arme
... genauso viel wert wie der reiche Viehzüchter".
- die Entsündigungs- und Entschuldigungsopfer von Lev 4 und
5 reagieren darauf, dass Menschen sich in ihrer Beziehung zu Gott
tiefgreifend verunsichert fühlen können, auch wenn sie
gar nicht absichtlich irgendetwas "Frevelhaftes" begangen
haben. Die beschriebenen Opfer ent-fernen alles, was die Beziehung
stören kann.
- das Entschuldigungsopfer, bei dem im Gegensatz zum Entsündigungsopfer
ein materieller Schaden entstanden ist, regeln, dass vor dem Opfer
dieser Schaden ersetzt werden muss.
- die Opfer setzen die "aufrechte Gesinnung" der opfernden
Person voraus. Sie wird in der korrekten Durchführung und in
der Fehlerlosigkeit des verwendeten Opfer"materials" sichtbar.
Darauf -so Levitikus - reagiert Gott mit Wohlgefallen"Wer glaubt,
seine religiösen Bedürfnisse auf billige Weise befriedigen
zu können, wird das erhoffte Wohlgefallen bei Gott nicht finden".
- die Opfer generell, nicht nur die in Lev 4-5 beschriebenen, dienen
der Bewältigung von Verunsicherung. Gott selbst bietet dafür
ein Verfahren an, das auf der subjektiven Seite gleichsam die therapeutische
Funktion der Psychohygiene hat und auf der sozialen Seite die Reintegration
der betroffenen Person in die feiernde Gemeinschaft bewirkt. Im
Opfer wird die Wiederherstellung der "normalen" Gottesbeziehung
sinnenfällig erfahren (Hieke 145f.)
- die Priester dienen als Vermittler in diesem Geschehen, sie übernehmen
dadurch auch ein grösseres Risiko, aber grundsätzlich
ist für jede/n Israelitin/en klar, wo und wie sie Gott begegnen
können. Es gibt keine Esoterik, kein Geheimwissen, keine Arkan-Disziplin.
Durch den öffentlichen Charakter ist auch klar, dass es keine
Privatkulte und selbsterfundenen Opferfeiern gibt.
So muss man den Anfangssatz vielleicht noch präzisieren: der
Kult ist für den Menschen in seinem sozialen Umfeld da.
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