|
Shafique Keshavjee, Der König, der Weise und der Narr. Der grosse Wettsteit der Religionen, Goldmann Verlag München 2000. |
Wer wie Shafique Keshavjee als Sohn indischer Eltern in Kenia geboren wurde und Politik und Religionswisenschaften in der Schweiz studiert hat, der hat Erfahrungen mit Kulturbegegnungen und interreligiösem Dialog. Insofern ist es kein Zufall, dass er die ökumenische Begegnungsstätte l'Arzillier in Laussanne mit initiiert und dass er ein Buch über den Wettstreit der Religionen schreibt. Es ist ein sehr spannendes Buch geworden. |
| Ein Märchen mit sportlichem Charakter | Zunächst trägt das Geschehen märchenhafte Züge. Da ist ein König in einem fernen Land, der spürt, das seinem Volk etwas fehlt. Und Träume bringen ihn darauf, dass es eine Religion sein könnte, die fehlt, ein tieferer Sinn, nach dem die Menschen ihr Leben ausrichten können. Schön und gut, aber welche Religion? Der König, ein grosser Sportfan, beschliesst je einen Vertreter der 5 grossen Weltreligionen und dazu einen Atheisten in einem Wettstreit gegeneinander antreten zu lassen, worauf eine Jury anschliessend entscheiden soll, ob eine davon für das Volk des Königs geeignet ist. |
| Die einzige Entschuldigung für Gott ist, dass er nicht existiert. |
Die knifflige Frage, welches die 5 "grossen" Religionen sind und wer die einzelnen Religionen denn vertreten soll, macht sich der Autor märchenhaft leicht, zum Glück, denn wir interessieren uns ja für den Wettstreit der Religionen und nicht für den Machtkampf innerhalb der Religionen. Leider sind es aber nur Männer, die als Vertreter ernannt werden. Spätestens als dann aber der Atheist seinen Vortrag beginnt, ist es mit dem märchenhaften Charakter der Sache vorbei und es wird brutal realistisch. Er zeigt den Fels des Atheismus, das Leiden unschuldiger Menschen, so klar und deutlich auf, dass als einzige Entschuldigung für Gott bleibt, dass er nicht existiert. |
| Ein echter Dialog statt einer Folge von Monologen |
Damit ist das Niveau des Wettstreites vorgegeben. Kein schöngeistiges Reden über Religion und Religionen. Auch keine makellose Präsentation all des Schönen, was die Religionen zu bieten haben und auch keine übertriebene Vorsicht im interreligiösen Dialog nur ja niemanden zu verletzen und deswegen vor allem das Gemeinsame zu betonen. So präsentieren sich leider viele der Bücher, die sich mit den verschiedenen Religionen und dem interreligiösen Dialog beschäftigen, nicht zuletzt auch Hans Küngs Reihe "Weltreligionen." Das Buch von Keshavjee ist wohltuend anders. Da wird auch einmal ein Sprecher, der ins Dozieren kommt, mit dem Gähnen des Publikums konfrontiert. Da drohen fundamentalistische Kräfte den Fortgang des Wettstreites zu gefährden. Da geht der Dialog nicht ohne Streit und Verletzungen ab. Da entsteht aber auch ein wirkliches Gespräch, bei dem nicht nur nacheinander geredet wird, sondern wo das, was der eine sagt, beim andern einen Denkprozess auslöst, bei dem wirkliche Menschen miteinander in Beziehung treten. |
| Ich will hier nichgt mehr verraten, vor allem den Ausgang des Wettstreits nicht. Nur soviel: Die 5 Religionen, das Christentum, das Judentum, der Islam, der Buddhismus und der Hinduismus werden in diesem Buch auf verschiedene Weise vorgestellt: im Vortrag ihres Vertreters, in den Reaktionen auf die Vorträge der anderen und auf den Verlauf des Wettstreites und in einem Anhang, der von der Plateforme interreligeuse in Genf erarbeitet wurde und der eine Zusammenschau nach bestimmten Gesichtspunkten bietet (Gründer, Schriften, Glaubensrichtungen, Glaubensgrundlagen, Gebote, Verhältnis zu anderen Religionen, Gebete und Praktiken, Ernährung, von der Geburt bis zum Tod, Feiertage). Dadurch bietet das Buch sowohl Übersichtswissen, als auch spannenden interreligiösen Dialog zu brenzligen Themen. |