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Jakobusbrief

Der Jakobusbrief ist verfasst von einem Menschen, der tief in der biblischen Weisheitsliteratur verwurzelt ist, sich auch in de Schriften des griechischsürachigen Judentums auskennt und sehr gutes Griechisch schreibt. Er nennt sich selbst Jakobus, wohl weil er sich am Bruder Jesu, der in der Jerusalemer Gemeinde eine zentrale Rolle innehatte (vgl. Apg 12,17 u.A.), orientiert. Im Zentrum der Weisheitslehre, die hier entfaltet wird, steht das "Wort der Wahrheit" (1,18), auch "Gesetz der Freiheit" (1,25) oder "königliches Gesetz" (2,8) genannt. Es handelt sich dabei um die biblische Tora, die Weisung Gottes, die im Licht Jesu und des Liebesgebotes aus Lev 19,18 verstanden wird: "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst" oder genauer: "... er/sie ist wie du". Die Nächsten, um die es im Jakobusbrief besonders geht, sind die Armen und Notleidenden in den Gemeinden. Sie wurden wohl in verschiedenen Gemeinden ausgegrenzt bzw. an den Rand gedrängt bzw. als reines Objekt der Fürsorge der reicheren Gemeindemitglieder entmündigt. Leitbild des Jakobusbriefes ist dagegen die Praxis echter Solidarität auf Augenhöhe.
Die Verse 5,14-16, die die Aufmerksamkeit auf die Kranken in den Gemeinden lenken, sind im Gesamtduktus des Briefes nur ein Nebenthema. In der kirchlichen Tradition haben sie aber in der Entwicklung des Sakramentes der Krankensalbung eine wichtige Rolle gespielt.
Entstanden ist der Brief vermutlich gegen Ende des 1. Jahrhunderts. Er ist ein Zeugnis der dritten Generation der Jesusbewegung. Angesprochen sind Gemeinden in einer polytheistischen Umwelt, die als "die zwölf Stämme [Israels], die in der Verbannung leben" bezeichnet werden (1,1).
Der Stil des Briefes ist geprägt von vielen direkten Anreden, Mahnworten und Erfahrungsweisheiten, die die Absicht zeigen, auf die Haltungen und das Verhalten der Hörerinnen und Hörer einzuwirken.
Der Jakobusbrief ist nicht an eine bestimmte Gemeinde gerichtet, sondern als Rundbrief an verschiedene Gemeinden konzipiert und ist deshalb zurecht als einer der "katholischen", d.h. weltumspannenden Briefe in den Kanon des Neuen Testamentes aufgenommen worden. Allerdings war seine Aufnahme in den Kanon lange umstritten.

Zu Jak 5,14-16

Die Ältesten der Gemeinde, die hier genannt werden, stellen noch kein festgefügtes Amt dar. Im ganzen Neuen Testament ist die Entwicklung von speziellen und eigenständigen Funktionen innerhalb der Gemeinden noch im Fluss.
Beim Umgang mit den kranken Menschen stehen Gebet und Salbung gleichberechtigt nebeneinander. Um magischen Missverständnissen entgegen zu wirken, betont der Brief, dass die Heilung durch das "gläubige Gebet" bewirkt wird und letztlich von Gott ausgeht. Das Wirken Gottes wird als "aufrichten" (griechisch egeiroo) beschrieben. Das Wort wird biblisch auch für die Auferweckung von den Toten gebraucht (Jes 26,19; Mk 6,19; Lk 9,7; Röm 6,4). Die Heilung eines Kranken wird also durchaus als Auferstehungserfahrung gedeutet.
Jak 5,15 ist durchdrungen von der Überzeugung, dass Gott Sünden vergibt, wie sie Jesus etwa in Mk 2,5 ausdrückt. Es wäre ein Missverständnis beider Stellen, Krankheit immer mit Sünde in Verbindung zu bringen. Jak 5,15 formuliert explizit: "Wenn er [der Kranke] Sünden begangen hat" (griechisch kann, "und wenn" im Sinne einer Aufzählung nicht einer Gleichsetzung). Das Verständnis von Heilung, das der Brief hier verwendet, ist sehr weit, es geht über die Heilung rein körperlicher Gebrechen hinaus.