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Gastfreundschaft
Gen 18
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Vergesst die Gastfreundschaft nicht, denn durch sie haben
einige, ohne es zu ahnen, Engel beherbergt. (Hebr 13,2)
Die Silberhochzeit von Ben und Alma begann als ein schöner
Abend mit gutem Essen unter alten Freunden ... Acht Freunde waren
eingeladen, und sie kannten sich ale seit vielen Jahren, sassen
um Bens und Almas grossen Kirschholztisch herum und erzählten
und tranken und lachten und stritten sich bis in die Morgenstunden,
und dann gab es zwei Trennungen und einen, der vielleicht bald sterben
musste.
So beginnt Elke Heidenreich ihre Erzählung Silberhochzeit
. Um Gastfreundschaft geht es darin, ja klar, aber wie ist das mit
den Trennungen und dem, der vielleicht stirbt und was hat das alles
mit der Bibel zu tun. Haben Sie bitte etwas Geduld. Möchten
Sie es sich nicht bequem machen und mich ein wenig erzählen
lassen?
Zu Gast bei Ben und Alma
Der Abend bei Ben und Alma beginnt. Der Tisch ist wunderbar gedeckt,
dafür hat Alma ein Händchen. Die Gäste treffen ein,
Christian und Gabor, ein schwules Paar, Leo und Getrud, deren Beziehung
kriselt, weil Leo ein Verhältnis hat, aber auch wegen Gertruds
allzu grenzenloser Begeisterung für Yoga und Gelassenheit.
Heinz, der erfolgreiche Versicherungsagent und Vivien, seine zweite
Frau. Und dann noch Anita, Almas älteste Freundin, die immer
allein gelebt hatte, obwohl Männer ohne Zahl durch ihr Leben
gegangen waren und die es jetzt immer mehr vermied, in Spiegel zu
schauen. Und schliesslich Jonathan, ebenfalls alleinlebend und zwar
in einer unvorstellbaren Unordnung aus der heraus er doch alle paar
Jahre ein Buch produzierte, das sich auch noch gut verkaufte. Es
gab Almas berühmte Kartoffel-Möhren-Sahne-Suppe und Filet
im Blätterteig, dazu Glückwünsche für die 25
gemeinsamen Jahre kaum zu glauben.
Raum für wahre Geschichten
Zum Dessert, einer Himbeer-Rotwein-Creme will Ben gegen
Almas Widerstand eine Rede halten. Er erzählt von einem
Erlebnis im letzten Sommer. Er und Alma waren nach Frankreich gefahren,
dorthin wo sie in den ersten Jahren ihrer Ehe so oft waren. Sie
hatten sich erinnert, wie sie hier Picknick gemacht, sich da auf
den Wiesen geliebt hatten, aber sie hatten sich jeder für sich
erinnert, während sie stumm nebeneinander im Auto sassen. Das
gemeinsame Glück war vergangen und verloren. Und dann waren
sie einem jungen Mann begegnet, der sie auf der Strasse erkannte,
in Tränen ausbrach und sie umarmte, küsste, in die Luft
warf und immer wieder ihre Namen rief. Es war Yannick, den sie als
10jährigen kennengelernt hatten. Sie hatten ihm Schwimmen beigebracht,
er durfte mit ihrem 2CV über die Felder fahren und sie hatten
seinen Vater dazu gebracht, dass er ihn nicht mehr schlug. Wir
haben ihn geliebt, er war einen Sommer lang wie unser Kind,
sagt Alma. Und dann sind wir abgefahren und haben ihn einfach
vergessen ... Und jetzt ist er Metrofahrer in Paris, hat zwei Kinder
und stellt euch vor, er hat seine Kinder nach uns benannt, Alma
und Ben. - Diese Geschichte schafft Raum für weitere
Wahrheiten. Christian erzählt, dass Gabor Aids hat und bricht
in Tränen aus. Gudrun verlässt die Runde, um zu meditieren,
Vivien schliesst sich ihr an. Und als sie weg ist, bekennt Heinz,
dass sie kurz vor der Trennung stehen. Niemand antwortet, alle haben
sich das bereits gedacht. Aber als Alma und Anita alleine in der
Küche beim Aufräumen sind und Alma sagt Ich werde
mich von Ben trennen, da ist das für beide eine Überraschung.
Vor dem Schlafengehen denkt Alma: Ich werde nach Paris fahren
... Ich werde Yannick und die Kinder besuchen und dann werden wir
schon irgendwie weitersehen.
Zu Gast bei Abraham und Sara
Kommen wir jetzt zurück zu Ihrer Frage: Was hat diese Geschichte
mit Gastfreundschaft und der Bibel zu tun. Auch die Bibel erzählt
eine Geschichte, in der ein Paar, das seit vielen Jahren verheiratet
ist, Besuch bekommt. Die alten Leute heissen Abraham und Sara und
ihre Gäste sind drei Fremde. Die Geschichte steht im Buch Genesis,
Kapitel 18. Abraham gibt sich mindestens so viel Mühe wie Alma,
seine Gäste zu bewirten. Er bringt ihnen Wasser, damit sie
sich die staubigen Füsse waschen können, er tischt auf,
was Haus und Stall zu bieten haben. Auch hier entsteht ein Gespräch
und auch hier wird plötzlich und unerwartet von etwas gesprochen,
was das Leben von Abraham und Sara ganz wesentlich betrifft, von
einer Wahrheit ihres Lebens, ihrem unerfüllten Kinderwunsch.
Ihr Leben lang haben sie sich Kinder gewünscht, alles haben
sie versucht. Sie haben sogar ihre Sklavin Hagar zur Leihmutter
gemacht. Die unerwarteten Folgen davon sind im Buch Genesis, Kapitel
16 zu lesen (vgl. Zeichen der Liebe 1/2006). Jetzt sind sie alt.
Mir geht es längst nicht mehr, wie es Frauen zu ergehen
pflegt, bringt Sara es auf den Punkt. Aber einer der Fremden
sagt mit grosser Gewissheit: In einem Jahr komme ich wieder,
dann wird Sara einen Sohn haben. Das löst bei Sara einiges
aus. Sara lachte still in sich hinein und dachte: Ich bin
doch schon alt und verbraucht und soll noch das Glück der Liebe
erfahren? Auch ist mein Herr doch schon ein alter Mann. Saras
Reaktion hat es in sich. Gerade erschien es ihr noch zum Lachen
in ihrem Alter schwanger zu werden, aber schon keimt die Hoffnung
auch in ihrem Alter noch das Glück der Liebe zu erfahren. Die
Einheitsübersetzung, die ich hier zitiere, ist etwas verschämt
im Ausdruck. Im Hebräischen wird deutlich, dass Sara an Lust
und Sex denkt. Aber dann tritt wieder die Realität in den Vordergrund.
Allerdings jetzt ist es nicht mehr sie selbst, die alt und verbraucht
ist, jetzt betrachtet sie ihren Mann Sara kann sich vorstellen,
dass es noch nicht zu spät ist für eine Veränderung,
dass in ihrer Beziehung zu Abraham die Lust aneinander wieder eine
Rolle spielen kann, dass neues Leben, ein anderes Leben möglich
ist. Aber ob Abraham zu einer solchen Veränderung, zu einem
solchen Neuanfang bereit ist?
Ist bei Gott etwas unmöglich? (Gen 18,14)
Viele Beziehungen zerbrechen, wenn ein Teil meistens ist
es die Frau sich verändert, sich nicht mehr zufrieden
gibt mit dem gewohnten Alltag und den eingespielten Rollen. Wenn
eine etwas verändert, noch einmal etwas wagt, Raum schafft
für neues Leben und der andere davon überfordert ist.
Die Beziehung von Alma und Ben ist dafür wohl ein Beispiel.
Alma zieht die Konsequenzen und bricht alleine auf. Die Bibel erzählt,
dass es Sara und Abraham miteinander gelingt. Beides ist zu achten
und in beidem steckt neben der Trauer um die zerbrochene
Beziehung - viel Grund zur Freude, zum Lachen über neue Lebendigkeit
und neues Leben. Beide Veränderungen sind ausgelöst worden
durch Gastfreundschaft und Gäste. Voraussetzung war, dass die
Gespräche nicht bei Small-talk stehen blieben, sondern die
echten, persönlichen Lebensgeschichten berührten, auch
wenn das schmerzhaft war. So können Gäste zu Botinnen
und Boten werden, die spüren lassen, wofür die Zeit reif
ist und dass noch vieles möglich ist. Gäste können
Botinnen und Boten Gottes, also Engel, sein. Vergesst die
Gastfreundschaft nicht; denn durch sie haben einige, ohne es zu
ahnen, Engel beherbergt (Hebr 13,2). Gäste, die Schritte
zu neuem Leben auslösen, sind Engel. Vergessen Sie die Gastfreundschaft
nicht!
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