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In Stimmen reden

1 Kor 12,7-10

"Jeder und jedem aber wird die Offenbarung des Geistes geschenkt, damit sie anderen nützt" heisst es im 1. Brief an die Gemeinde in Korinth (12,7). Und bei der Aufzählung dieser nützlichen Geistesoffenbarungen steht auch "verschiedene Arten von Zungenreden" (12,10). Auf eine wunderbare Deutung einer Art von Zungenreden bin ich bei Heinrich Detering, in einem Artikel über Bob Dylan gestossen. Detering beschreibt Dylans Kunst der Montage von Songtexten und Prosa. Er baut ein Gebäude und verwendet Materialien aus den unterschiedlichsten Quellen - von Charlie Chaplin über den Südstaatenpoeten Henry Timrod, die Bibel, Alice in Wonderland, die Tristien des Ovid, Marcel Proust, Jack London und Mark Twain. Für Detering wird "die Grandiosität des Gebäudes erkennbar, in das solche Bruchstücke eben so vollkommen plausibel eingefügt worden sind, dass kein Leser sie voneinander und von der Stimme des Erzählers zu unterscheiden vermochte." Und dann findet er eine wunderschöne Definition für Zungenreden: "In Zungen reden, im Singular eines souveränen Ich den Plural einer unendlich weit aufgefächerten Überlieferung hörbar machen zu können: Es ist diese Kunst, die in Dylans gedruckten wie in seinem gesungenen Spätwerk makellos hervortritt."

Quelle: Heinrich Detering, Der Nobelpreis und Mr. Dylan in: Klaus Theweleit (Hg.), How does it feel. Das Bob-Dylan-Lesebuch, Berlin 2011, S. 293f.